Warum erkälten wir uns eher bei kühlerem Wetter?

Warum erkälten wir uns eher bei kühlerem Wetter?
13. Februar 2024
Warum erkälten wir uns eher bei kühlerem Wetter?

Das Jahr ist insbesondere an der Wetterfront mit Kapriolen gestartet – Schneefälle, Eis und prompter Temperaturabfall haben vielerorts für einige Tage ganz Deutschland in Atem gehalten. Der an Weihnachten vermisste Winter war plötzlich doch noch da und mit ihm leider auch das verstärkte Auftreten von Schnupfen, Husten und Heiserkeit. Denn sobald kühlere Zeiten Einzug erhalten, beginnt auch die Hauptzeit für die Verbreitung von Erkältungen und Grippe. Aber warum ist das eigentlich so? Eine plausible Erklärung wäre, dass wir uns tagsüber, wenn es draußen kalt und trüb ist, häufiger in Schulen, Büros und generell Innenräumen aufhalten, was schlechtere Belüftung und engeren zwischenmenschlichen Kontakt bedeutet. Eine eingefangene Erkältung oder ein anderes Atemwegsvirus kann so leichter auf andere übertragen werden. Auch wenn dieser Grund mehr als einleuchtend ist, steckt dann doch noch ein klein wenig mehr dahinter.

Von Immunsystem bis Nase

Unser Immunsystem ist die wichtigste Abwehr gegen Eindringlinge von außen, dazu gehören Krankheitserreger wie Bakterien und Viren und auch der Schnupfen der Bürokollegin. Das Immunsystem unseres Körpers ist ziemlich komplex – es besteht aus vielen verschiedenen Organen, Zellen und Proteinen, die zusammenarbeiten, um Keime zu bekämpfen. Ein Organ sticht in seiner Bedeutung bei der Aufnahme von Erkältungsviren allerdings deutlich hervor: unsere Nase. 

Unsere Nase – das Tor zur Außenwelt

Unsere Nase ist eines der ersten Tore zwischen der Außenwelt und unserem Körperinneren. Aus diesem Grund sind unsere oberen Atemwege (Nase, Mund und Rachen) oft der erste Teil unseres Körpers, der Keimen ausgesetzt ist. Insbesondere dann, wenn wir Tröpfchen einatmen, die Viren und Bakterien aus dem Husten und Niesen infizierter Personen um uns herum enthalten. In ihrer Rolle als Pförtner unseres Körpers ist die Nase auch unsere erste Verteidigungslinie gegen Keime, das Innere der Nase (speziell Haare und Schleim) agiert dabei als physische Barriere. Die Zellen in der Nase dienen zudem als Leiter der körpereigenen Immunreaktion, sie schalten sich bei Bedarf ein und aus. Unsere Nasen verfügen also über biologische „Sensoren“, die erkennen, wenn wir Viren ausgesetzt sind. Diese fahren die Zellen unseres Immunsystems hoch, um einen direkten Angriff gegen die Eindringlinge zu starten.

Die Biologie unserer Nase

Wenn wir Viren ausgesetzt sind und unser Immunsystem aktiviert wird, schwärmen biologische „Beutel“ in unserer Nase zu dem Bereich aus, in dem sich die Viren befinden – eine Art antimikrobielle Notfallreaktion. Diese Beutel werden extrazelluläre Vesikel oder „EVs“ genannt. Sie kommen in verschiedenen Größen und mit unterschiedlichem Inhalt vor. EVs haben zudem zwei wichtige Funktionen, um uns vor Keimen zu schützen. Sie können sich zum einen selbst direkt mit dem Virus verbinden und es daran hindern, unsere Zellen zu infizieren. Zum anderen tragen einige EVs antivirale Stoffe in ihren Beuteln, sogenannte microRNAs oder miRNAs. Wenn diese aus dem EV freigesetzt werden, greifen sie das Virus an, um es zu inaktivieren. Durch diese beiden Wirkungen schützen EVs uns vor einer Infektion.

Die Auswirkungen des Winters

Doch wie passt nun das kalte Wetter ins Bild? Die Frage ist, was passiert, wenn die Zellen in unserer Nase kalt werden, und wie erhöht sich dadurch unser Infektionsrisiko? Die Nase selbst reagiert sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen, das haben wir sicherlich alle schon einmal gespürt. Kalte, trockene Luft kann das Innere der Nase reizen, woraufhin unsere Nasendrüsen mehr Schleim produzieren, um sie feucht zu halten. Dies führt dazu, dass die Nase bei kaltem Wetter tropft und „läuft“. Andere kälteempfindliche Proteine auf den Zellen unserer Nase (sogenannte „transiente Rezeptorproteine“ oder „TRPs“) werden durch die Kälte ausgelöst und können andere Empfindungen wie Brennen, Kitzeln und ein Gefühl der Verengung hervorrufen.1,2

Eine Studie bringt Licht ins Dunkel

Eine in 2022 veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Harvard und Northwestern Medical Schools3 lehrt uns jetzt aber noch mehr über den Zusammenhang zwischen kaltem Wetter, Infektionen und der Rolle der Nase. Die Wissenschaftler entdeckten, dass kalte Luft die EVs tatsächlich daran hindert, ihre magische Wirkung zu entfalten und uns vor Infektionen zu schützen! Als die Wissenschaftler die Temperatur der Zellen verringerten oder die Probanden niedrigeren Temperaturen aussetzten, stellten sie fest, dass die EVs nicht so zum Infektionsherd ausschwärmten, wie sie sollten. Die EVs, die bereits am Ort der Infektion waren, funktionierten ebenfalls nicht richtig. Eine spezielle miRNA, namens miR-17, fehlte in der Mischung der EVs, die für die Inaktivierung des Erkältungsvirus entscheidend ist. Die Erkenntnis der Wissenschaftler läuft also darauf hinaus, dass die Zellen und „Beutel“ in der Nase nicht optimal funktionieren, um bei niedrigen Temperaturen Keime zu bekämpfen. Dies bedeutet für uns alle ein höheres Risiko für Virusinfektionen in den Wintermonaten.

Was wir tun können, um gesund zu bleiben

Wir können zwar nicht viel gegen die Biologie (oder das Wetter) tun, aber einfache Maßnahmen ergreifen, um die Verbreitung von Keimen auch bei niedrigen Temperaturen zu verhindern:

  • auf eine gute Etikette beim Niesen und Husten achten (d.h. Ellenbogen oder Hand vor den Mund)
  • häufig Hände waschen oder desinfizieren, unterwegs z.B. sehr einfach mit unserem PURELL® Advanced Händedesinfektionsmittel in der 60ml Pumpflasche oder in der 100ml Flip Top Flasche
  • harte Oberflächen regelmäßig desinfizieren, da diese mit Keimen kontaminiert sein könnten
  • zu Hause bleiben, wenn man sich krank fühlt

 

1 Liu SC, Lu HH, Fan HC, Wang HW, Chen HK, Lee FP, Yu CJ, Chu YH. The identification of the TRPM8 channel on primary culture of human nasal epithelial cells and its response to cooling. Medicine (Baltimore). 2017 Aug;96(31):e7640.

2 Damann N, Voets T, Nilius B. TRPs in Our Senses Review. Current Biology 18, R880–R889, 2008.

3 Huang D, Taha MS, Nocera AL, Workman AD, Amiji MM, Bleier BS. Cold exposure impairs extracellular vesicle swarm–mediated nasal antiviral immunity. The Journal of Allergy and Clinical Immunology. In press; published online: December 06, 2022.